Knut + Helga Nordwest Passage
Knut + Helga Nordwest Passage

TAG 29

 Dienstag 13. August 2013

Der Anker liegt auf  N 70°43´27´´ und W 117°46´23´´. Das Wetter hat sich verändert, in der Bucht sind schon 7 bis 8 Windstärken, es hat sich gut Welle aufgebaut, die Sonne scheint immer noch. „Nasse“ Anlandung mit Zodiac. Viele der 500 Einwohner sind zur Begrüssung an der Anlandestelle und wir werden bei der kurzen Besichtigung von ihnen geführt. Die Inuit Siedlung auf Victoria Island hat sich gut organisiert, das Gemeinwesen ist intakt. Im Gemeidezentrum gibt es eine Vorführung von historischem Tanz und Gesang. Herausragend eine 98 Jahre alte Dame, die es sich nicht nehmen lässt, bei der Vorführung ihrer Teile aus dem Rollstuhl aufzustehen. Das Dorf hatte (fast) Vollversammlung, man lebt in der Grossgemeinschaft, Erträge aus Jagd und Walfang werden aufgeteilt.

 

Um 13.00 Uhr „Anker auf“ und Weiterfahrt Richtung Johansen Bay. 241 NM  müssen geschafft werden.

TAG 30

 Mittwoch 14. August 2013

Wir haben den Amundsen Golf bis zum Ende durchfahren und sind durch die Dolphin- und Union-Street bis zum Coronation Gulf gefahren. 8.00 Uhr früh - wir sind in der Johansen Bay, immer noch an der Südseite von Victoria Island.

Der Anker liegt auf N 68°34´47´´ und W 111° 05´57´´.

Landgang. Anlandung mit Zodiac,  nass. Wetter sonnig, fast ‚tropische’ Hitze, +10°C am Morgen. Wanderung durch die küstennahe Tundra auf der Insel Victoria im Süden. Auch vom nahe gelegenen Hochplateau keine Sichtung von Bären oder Moschusochsen.

 

12.00 Uhr Anker auf. Erreichen einer weiteren Datumsgrenze. Wieder eine Stunde „verloren“.

Wir „verholen“ an der Südseite von Victoria Island bis nach Ross Point. 14.00 Uhr. Anker liegt auf 68°32´31´´ N und 111°09´03´´ W. Landgang mit Zodiac. 3 Moschusochsen am Strand. Karibou in der Tundra. Die eigenen Füsse werden „zu Wasser gelassen“: waten im Coronation Gulf bei Wasser +10,5°C. Eisberge? Geschmolzen!

 

19.00 Uhr Anker auf. Kurs Cambridge Bay. Distanz: 154 NM.

TAG 31

 Donnerstag 15. August 2013

Wir durchfahren den „Coronation Gulf“ bis zum Ende. Um 8.00 Uhr Ankunft in Cambridge Bay. Der Anker liegt auf N 69°06´34´´ und W 105°04´05´´. In der Bucht besuchen wir die Inuit Stadt mit dem gleichen Namen. Anlandung per Zodiac. Wetter leicht bedeckt 10° C. Hier gibt es auch wieder Netzanschluss, aber die Kapazitäten reichen nicht einmal, um Text ins Netz zu stellen.. Im Kulturzentrum haben wir grosses Glück und erleben einen wirklich atemberaubenden Life Auftritt der berühmten Vokalsängerin Tanya Gillis – Künstlername   Tagaq. Auch diese Siedlung gut organisiert, ein Visitor-Centrum, ein von der Kooperative betriebener Supermarkt, und das am Strand sich langsam weiter auflösende Wrack der Maud, eines der Schiffe von Amundsen. Wir hören, die Norweger haben Antrag gestellt, das Wrack zu bergen und für das Museum in Oslo zu restaurieren. Spannend. Um 18.00 Uhr Anker auf und Kurs auf Jenny Lind Island, 108 NM sind zu fahren.

TAG 32

 

Freitag 16. August 2013

Unglaublich, der erste Monat ist schon wieder „Vergangenheit“.

Wir sind den Coronation Gulf bis zum Ende gefahren und in den Queen Maud Gulf eingefahren. An Melbourne Island vorbei haben wir die Insel Jenny Lind um 7.00 Uhr erreicht. Anker liegt auf   N  68°38´28´´ und W 101°46´28´´. Landgang auf einer flachen und wenig freundlichen Insel. Frische Spuren eines Eisbären und die Reste von seiner morgendlichen Beute raten zur Vorsicht.

Wir fahren weiter Richtung Norden durch die Victoria Strait und erreichen um 14.00 Uhr Nachmittags die Packeisgrenze. Um 20.30Uhr müssen wir aufgeben. Das  Eis ist undurchdringlich und bei N 69°32´13´´ und W 99°55´52`` leiten wir die Wende ein und nehmen Kurs auf Gjöa Haven.

TAG 33

 Samstag 17. August 2013

Wieder durch den Queen Maud Gulf  an der Südseite von King William Island fahren wir durch die Simpson Street Richtung Rasmussen Basin. Wir sind das erste Schiff, dass in diesem Jahr durch diese enge Passage fährt, und die Betonnung ist noch nicht ausgelegt. Deshalb langsame Fahrt und viel Navigation. Wir passieren „unseren“ Eisbrecher, der gerade beim Auslegen der Tonnen ist und haben das Rasmussen Basin erreicht. Um 15.00 Uhr erreichen wir Gjöa Haven. Der Anker liegt auf N 68°36´56´´ und W 095°53´42´´. Der Ort wurde von Amundsen als Hafen zum Überwintern ausgesucht. Seitdem entwickelte sich ein kleiner Ort. Sehr schönes –völlig neues - Museum, und Amundsen mit Büste und auch sonst überall. Sagt man doch, dass er hier einige seiner Gene bei einigen Eskimofrauen eingebracht hat. Landgang Ende 19.00 Uhr und Weiterfahrt Richtung Larsen und Peel Sound.

TAG 34

 Sonntag 18. August 2013

Wir sind durch die Rasmussen Bay in Richtung J. Ross Strait gefahren. Frühmorgens sind wir vor Spence Bay, lokaler Name Taloyoak. Um 8.00 Uhr Anker gelegt auf N 69°31´20´´ und W 093°33´20´´. Nasse Anlandung. Am Sonntag Morgen liegt die kleine Siedlung mit 900 Einwohnern noch im Tiefschlaf. Der Chefpolizist des Ortes ist um 11.00 Uhr wieder im Dienst und berichtet von der großen Party am gestrigen Abend. Ansonsten wenig los. Anker auf um 12.00 Uhr. 90 NM liegen vor uns.

Wir fahren von der Rasmussen Bay in das St. Roch Basin, und weiter durch die J. Ross Strait und passieren Matty Island im Osten. Ein Eisfeld mit einer Bedeckung von 10 % ist einfach zu durchfahren. Nachdem wir Matty Island achteraus haben ist wieder alles eisfrei. Um 20.30 Uhr erreichen wir Cape Adelaide-Regina. Der Anker liegt auf N 70°05´33´´ und W 096°33´38´´. Anlandung nass, wegen geringer Tiefe ankern wir 2, 5 SM vom Ufer entfernt. Kurzbesuch an der historischen Stätte, an der 1827 der magnetische Nordpol gefunden wurde. Bei Sonnenuntergang wieder an Bord. Kurs auf den Peel Sound.

TAG 35

 Montag 19. August 2013

In der Nacht bei N 70°52´39´´ und W 097°13´49´´ erreichen wir querab Prince of Wales Island die Eisgrenze. Die Schollen verdichten sich schnell und langsame Fahrt ist angesagt. Trotz aller Künste der Navigation lassen sich Kollisionen nicht vermeiden. Dann rummst und knirscht es. Schlafen ist kaum möglich, kommen doch die Geräusche immer mit anderer Intensität, Tonlage und Abständen. Um 9.00 Uhr treffen wir bei N 72°02´06´´ und W 096°07´13´´ auf den kanadischen Eisbrecher „IB Henry Larsen“. Er fährt uns nun voraus und sorgt für etwas Aufatmen. Schon um 10.30 Uhr hören die Eisfelder abrupt wieder auf und wir können wieder volle Kraft laufen. 16.00 Uhr N 73°14´51´´ und W 096°00´23´´, erneuten Kontakt zu großen Eisfeldern mit Kollisionen. Der Eisbrecher fährt volle Leistung und hat gut zu tun. Sein Helikopter startet zu weiteren Erkundungen voraus. Im Peel Sound haben wir dann eine Eisabdeckung von 90 %. Das Eis hat eine Dicke von mehr als 4 Metern und es kommt – trotz Eisbrecher – zu heftigen Kollisionen, die das Schiff ruckartig aus der Bahn drücken. Unruhige Nacht – an Schlaf ist nicht zu denken.

TAG 36

 Dienstag 20. August 2013

In den frühen Morgenstunden erreichen wir das Ende des Peel Sound bei

N 73°52´07´´ und W 096° 05´11´´ und fahren in die Barrow Strait ein. Sehr schnell ändert sich die Eislage: im Westen noch alles bedeckt, im Osten nahezu eisfrei. Südlich von Griffith Island bei N 74°21´34´´ und W 095°19´14´´ ist die Situation übersichtlich und „unser“ Eisbrecher „IB Henry Larsen“ verlässt uns mit Volldampf, wir können nicht folgen. Fazit: ohne ihn keine Durchfahrt der Nordwest Passage in diesem Jahr. Weiteres Fazit: die frühen Forscher waren schon sehr mutig, die Forscher, die in neuster Zeit durch die Nordwest Passage gefahren sind, hatten „eigentlich“ Glück.

Mit der rasanten Passage durch den Peer Sound haben wir Zeit gewonnen und können nördlich von Griffith Island und Lowther Island vorbeifahren um  Eisbären zu suchen. Wir sichten eine Mutter mit 2 Jungen in weiter Entfernung. Immer an der geschlossenen Packeisgrenze entlang wenden wir um 10.30 Uhr bei N 74°42´19´´ und W 097°24´41´´ und nehmen Kurs auf Resolute (Cornwallis Island).

Anker vor Resolute auf N 74°41´13´´ und W 094°52´04´´. Anlandung mit Zodiac. Die kleine Siedlung hat auch einen Flughafen, der von anderen Schiffen für die Tourorganisation genutzt wird. Mit vor Anker liegt die Sea Adventurer und ist mit dem Aus- und Einschiffen ihrer Gäste per Dinghi voll im Stress. Resolute ist die 2. nördlichste Siedlung Kanadas, und für unsere geplante Route der „northernmost“ Point. Der kleine Ort ist auch im Aufbruch begriffen, Krankenhaus, Schule und Stadtverwaltung sind fast neu und wirken (fast) zu gross. Die kleine Holzkirche hat einen mit Seehundfell bespannten Altar und Eiszapfen an den Rinnen, ein Beweis - es ist noch recht kalt hier. Ein Tafeleisberg aus grönländischem Gletschereis hat es bis hierher geschafft zu treiben, hier wird dann wohl Schluss sein, weil er an der Packeisgrenze wie auch wir nicht weiter kommen dürfte. Dreht der Wind auf West, treibt es ihn zurück.

TAG 37

Mittwoch 21. August 2014

Über Nacht haben wir die kurze Strecke bis nach Beechey Island gefahren. Der Anker liegt auf N 74°43´05´´ und W 091° 48´08´´. Nach kurzer Inspektion der Situation Entscheidung:  keine Anlandung. Hohe Welle- kaltes, unfreundliches Wetter – Neuschnee und keine Sicht sowie hereindrückendes Packeis verhindern den Landgang.  Wir warten, ob sich die Situation verbessert, insbesondere die Sicht wegen der Gefahr durch die Eisbären.  Als es etwas aufklart, wagen wir eine kurze Stippvisite zu den Gräbern der Franklin Expedition und den Überresten der Northumberland Hütte. Auch am Strand schon „gestrandetes Packeis“ und Neuschnee. Nach 20 min ist es kalt genug und Zeit für eine heiße Dusche an Bord.

Weiterfahrt in der Barrow Street nach Westen. Eisbären und Robben gesichtet. Vor Devon Island Anlandung auf dem Packeis bei N 74° 36´17´´ und W 091° 23´15´´. Kurze gute Wettersituation mit etwas Sonne genutzt.

Kurze Weiterfahrt in die Radstock Bay. Tiefe Bucht mit schönen Fels-Formationen, die schönste wohl Caswall Tower mit 196 m Höhe. Wende bei N 74° 42´03´´ und W 091°08´30´´. Wir verlassen die Bucht und nehmen Kurs auf Dundas Harbour. Nur ein „Katzensprung“ von 21 NM müssen gefahren werden.

TAG 38

Donnerstag 22. August 2013

Früh am Morgen sind wir in Dundas Harbor an der Südostküste von Devon Island im Lancaster Sound. Der Anker liegt auf N 74°32´07´´ und W 073° 05´02´´.

Ausbooten mit Zodiac und eine kurze Wanderung aus der Bucht über den kleinen Hügel zur verlassenen Siedlung der Hudson Bay Company. Zwei Gräber junger kanadischer Soldaten erinnern an die nordöstlich gelegene  Station von Kanada zur Sicherung seiner Gebietsansprüche. Die Gebäude schon etwas verfallen, wenig Sehenswertes außer einer Zeitung von 1902 in erstaunlich gutem Zustand.

Um 9.00 Uhr Ortszeit großes Schiffssirenenkonzert: Schwesterschiff Hanseatic ist ebenfalls in Dundas Harbour eingelaufen.

Um 12.00 Anker auf, Kurs auf Marmorilik, 608 NM quer über die Baffin Bay liegen vor uns.

Um Mitternacht verlieren wir wieder eine Stunde Zeit. Wir haben den Lancaster Sound und damit den letzten Teil der Nordwestpassage verlassen und sind in die Baffin Bay eingefahren. Position um 00.00 Uhr (neue Zeit) : N73°22´49´´ und W 093°05´02´´. Weiter Ostwärts.