Knut + Helga Nordwest Passage
Knut + Helga Nordwest Passage

TAG 26 - Samstag 10.August 2013

 

 

 

Als um 7:30h der Anker fällt, zeigt unser GPS die Position vor „Herschel Island“ östlich der Grenze von Alaska und noch weit westlich der „Mackenzie Bay“, dem Mündungsdelta des „Mackenzie River“. Eine Abordnung der kanadischen Verwaltung kommt an Bord: Zollbeamte, Ranger und „Norman Thomas“, der Eislotse, der uns durch die Nordwestpassage begleiten wird.  Die Passkontrolle verläuft reibungslos und dann geben uns die Parkranger eine kurze Einführung über den kleinen Naturpark. Bei unserer Anlandung hebt gerade ein Wasserflugzeug ab, die einzige Verbindung zur Zivilisation.

 

 

Die Insel wurde 1826 von „Sir John Franklin“ benannt nach dem Astronomen „Sir John Herschel“. Sämtliche Hütten hier stehen unter Denkmalschutz. Um 1890 entwickelte sich der Hafen zum Zentrum des amerikanischen Walfangs. Es wurde reger Handel mit den Inuit getrieben und bald  herrschten Verhältnisse wie in „Sodom + Gomorrha“. 1896 wird eine Missionsstation unter Reverend I.O. Stringer eingerichtet, um den moralischen Verfall der Inuit aufzuhalten, die hier ihren ersten längerfristigen Kontakt mit der Zivilisation hatten. Nach dem Rückgang der Wale ab 1930 wurde die Insel dann verlassen. Später etablierte sich hier bis 1938 die „Hudson’s Bay Company und die „Royal Canadian Mounted Police“ richtete einen Stützpunkt ein, den sie 1964 wieder aufgab.

 

Viel Treibholz war und ist gleichzeitig Baustoff, Schreinermaterial und Holz zum Heizen. Holzhacken, um es warm zu haben, muss jeder selbst, und die viele Zeit setzt der Kreativität keine Grenzen: der selbst gezimmerte Liegestuhl ist erstaunlich bequem!

 

 

Die Ranger betreiben eine eigene Fischräucherei: aus Treibholz wurde die Räucherkate in traditioneller „Tipiform“ errichtet, der frisch gefangene Fisch nach Innuit-Art geschlitzt, und dann bei Schwelbrand geräuchert und auch luftgetrocknet.

 

Die Ausstellung im kleinen Museum gibt uns einen Eindruck von Flora und Fauna sowie dem früheren Leben hier auf „Herschel Island“.

 

Nach unserem Mittagessen an Bord der „MS Bremen“ kehren wir nochmals auf die Insel zurück – eine Wanderung steht auf dem Programm.

Noch heute gibt es ein traditionelles Kühlhaus im Permafrost – fraglich ist allerdings, wie lange noch.....

 

 

Ein Friedhof in der Weite der Tundra erinnert an die harten Zeiten der frühen Besiedlung. Schon mit jungen Jahren zu sterben,  die letzte Ruhestätte im Perma-Frostboden zu finden mit der Gefahr, im nächsten Frühjahr aufgrund des Abschmelzens eine "Auferstehung" durch Auftrieb zu erfahren, war sicher keine schöne Verlockung....

 

 

 

Flora und Fauna erinnern daran: es ist arktischer Sommer – kurz aber intensiv! Und auch daran, welches Glück wir mit dem Wetter haben.

 

Das Gebäude der ehemaligen Missionsstation wird seit Mitte der 1980er Jahre als Brutstätte für die „Black Guillemot“ geschützt – trotzdem geht die Population kontinuierlich zurück....

 

Am frühen Abend stechen wir wieder in See in Richtung Osten.